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	<title>Aussteiger &#8211; zebra-bw</title>
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	<title>Aussteiger &#8211; zebra-bw</title>
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		<title>Selbstfürsorge nach dem Austritt: Warum Bedürfnisse unser Kompass sind</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Zebra-BW.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Jun 2025 09:50:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge und News]]></category>
		<category><![CDATA[Aussteiger]]></category>
		<category><![CDATA[Austritt]]></category>
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		<category><![CDATA[Selbstfürsorge]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Austritt aus einer weltanschaulichen Gruppierung oder sogenannten Sekte ist oft ein tiefgreifender Einschnitt im Leben eines Menschen. Nicht selten erleben Betroffene eine Phase der Orientierungslosigkeit, begleitet von Gefühlen wie Scham, Wut, Angst oder Trauer. In dieser Zeit wird Selbstfürsorge als existenzielle Grundlage für die eigene Stabilität und Gesundheit besonders wichtig. In der systemischen Arbeit]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Austritt aus einer weltanschaulichen Gruppierung oder sogenannten Sekte ist oft ein tiefgreifender Einschnitt im Leben eines Menschen. Nicht selten erleben Betroffene eine Phase der Orientierungslosigkeit, begleitet von Gefühlen wie Scham, Wut, Angst oder Trauer. In dieser Zeit wird Selbstfürsorge als existenzielle Grundlage für die eigene Stabilität und Gesundheit besonders wichtig.</p>
<p>In der systemischen Arbeit sehen wir den Menschen nicht isoliert, sondern eingebettet in seine Beziehungen und Kontexte. Entsprechend begreifen wir Selbstfürsorge nicht als egoistischen Rückzug, sondern als aktive Verantwortung für das eigene Wohlbefinden; als Basis, um (wieder) in Beziehung mit anderen und mit sich selbst treten zu können.</p>
<p>Doch was bedeutet Selbstfürsorge konkret nach einem Austritt? Und warum sollte sie sich an den eigenen Bedürfnissen orientieren?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Der Austritt – ein Bruch mit alten Strukturen</strong></p>
<p>Viele Gruppierungen regulieren das Leben ihrer Mitglieder intensiv: Kleidung, Sprache, Umgang mit „Außenstehenden“, ja sogar Gedanken und Gefühle können normiert werden. Wer austritt, verliert damit oft nicht nur eine Glaubensgemeinschaft, sondern auch Strukturen, soziale Beziehungen und Teile der eigenen Identität.</p>
<p>Plötzlich müssen eigene Entscheidungen getroffen werden; etwas, das innerhalb der Gruppierung möglicherweise sogar aktiv entmutigt oder sanktioniert wurde. Diese neugewonnene Freiheit fühlt sich deshalb häufig nicht nach Erleichterung an, sondern kann überwältigend, sogar bedrohlich wirken.</p>
<p><strong>Selbstfürsorge</strong> hilft, diese Leere behutsam zu füllen; nicht durch neue Abhängigkeiten, sondern durch einen inneren Dialog mit den eigenen Bedürfnissen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Bedürfnisse erkennen: Die Basis für echte Selbstfürsorge</strong></p>
<p>Selbstfürsorge beginnt nicht bei der Frage: <em>„Was tut mir gut?“</em>, sondern bei einer tiefergehenden Frage:<em> <strong>„Was brauche ich im Moment wirklich?“</strong></em></p>
<p>Bedürfnisse sind universell, individuell verschieden in ihrer Priorität und situativ. Nach einem Austritt können besonders folgende Bedürfnisse in den Vordergrund treten:</p>
<ul>
<li><strong>Sicherheit:</strong> Schutz vor Überforderung, emotionale Stabilität, Verlässlichkeit im Alltag.</li>
<li><strong>Autonomie:</strong> Eigene Entscheidungen treffen dürfen, Selbstbestimmung erleben.</li>
<li><strong>Zugehörigkeit:</strong> Neue, tragfähige soziale Beziehungen aufbauen.</li>
<li><strong>Verstehen und Verstandenwerden:</strong> Die eigenen Erlebnisse reflektieren und in Worte fassen können, Resonanz erfahren.</li>
<li><strong>Wertschätzung:</strong> Als Person anerkannt und respektiert werden – ohne Bedingungen.</li>
<li><strong>Selbstausdruck:</strong> Eigene Interessen und Kreativität (wieder) entdecken dürfen.</li>
</ul>
<p><strong>Beispiel:</strong><br />
Eine Klientin, die lange Jahre Teil einer streng reglementierten Gemeinschaft war, berichtete, dass sie nach dem Austritt ständig von Aktivitäten und Angeboten überflutet war: Selbsthilfegruppen, Sportkurse, Beratungen. Obwohl sie wusste, dass dies „gut“ für sie sein sollte, fühlte sie sich zunehmend erschöpft. Erst als sie erkannte, dass ihr Grundbedürfnis nach Ruhe und Sicherheit derzeit wichtiger war als das Bedürfnis nach Aktivität und Anschluss, konnte sie Entscheidungen treffen, die ihr wirklich halfen: Sie erlaubte sich, einfach einige Monate lang Spaziergänge alleine zu machen, bevor sie neue Kontakte knüpfte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Selbstfürsorge praktisch: An Bedürfnissen orientiert handeln</strong></p>
<p>Hier einige Beispiele, wie Selbstfürsorge nach einem Austritt konkret aussehen kann – immer ausgehend von einem bestimmten Bedürfnis:</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><strong>Bedürfnis</strong></td>
<td><strong>Selbstfürsorge-Maßnahme</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Sicherheit</td>
<td>Einen Tagesablauf mit kleinen Ritualen schaffen (z. B. feste Schlafenszeiten, regelmäßige Mahlzeiten)</td>
</tr>
<tr>
<td>Autonomie</td>
<td>Sich bewusst kleine Entscheidungen selbst erlauben (z. B. was ziehe ich heute an, was esse ich?)</td>
</tr>
<tr>
<td>Zugehörigkeit</td>
<td>Unverbindliche, niederschwellige soziale Kontakte suchen (z. B. offene Treffs, Online-Communities)</td>
</tr>
<tr>
<td>Verstehen</td>
<td>Tagebuch schreiben oder ein Gespräch mit einer unabhängigen Beratungsstelle führen</td>
</tr>
<tr>
<td>Wertschätzung</td>
<td>Sich selbst kleine Anerkennungen schenken, z. B. „Heute habe ich gut für mich gesorgt“</td>
</tr>
<tr>
<td>Selbstausdruck</td>
<td>Kreatives Schreiben, Malen, Musizieren – ohne Anspruch auf „Leistung“</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wichtig:</strong> Es gibt keine „richtige“ oder „falsche“ Selbstfürsorge. Entscheidend ist, dass die Aktivität das aktuelle Bedürfnis wirklich anspricht – und nicht etwa ein altes Schuld- oder Pflichtgefühl bedient.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Hindernisse erkennen: Selbstfürsorge ist manchmal auch unbequem</strong></p>
<p>Nach einem Austritt kann Selbstfürsorge zunächst paradox wirken: Etwas für sich zu tun, kann Schuldgefühle auslösen („Darf ich das überhaupt?“) oder Unsicherheit hervorrufen („Was, wenn ich es falsch mache?“).</p>
<p>Auch hier ist eine systemische Perspektive hilfreich: Diese inneren Hürden sind keine „Schwächen“, sondern nachvollziehbare Folgen der bisherigen Prägung. Sie dürfen ernst genommen werden – und zugleich ist es erlaubt, ihnen nicht blind zu folgen.</p>
<p><strong>Beispiel:</strong><br />
Ein junger Mann wollte sich nach Jahren in einer religiösen Gruppierung endlich wieder seinem alten Hobby, dem Zeichnen, widmen. Doch immer wieder sabotierte er sich selbst: Er fühlte sich „faul“ und „selbstsüchtig“. In der Begleitung erkannte er, dass diese negativen Stimmen alte Gruppenmuster widerspiegelten, nicht seine aktuelle Realität. Mit dieser Erkenntnis konnte er sich Schritt für Schritt freier seinem Bedürfnis nach Selbstausdruck widmen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Fazit: Selbstfürsorge ist Wiederaneignung von Leben</strong></p>
<p>Nach einem Austritt ist Selbstfürsorge weit mehr als Wellness oder Entspannung; sie ist ein fundamentaler Prozess der Selbstbegegnung und Selbstermächtigung.<br />
Indem Menschen lernen, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und ihnen mit Respekt zu begegnen, weben sie sich ein neues inneres Netz der Sicherheit und Orientierung.<br />
Selbstfürsorge wird damit zu einer Brücke: Von einer Welt äußerer Kontrolle zu einer Welt innerer Freiheit.</p>
<p>Und sie darf, wie alle guten Brücken, langsam und stabil gebaut werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vorstellung von JZHelp: DRINNEN &#8211; DRAUSSEN &#8211; ANGEHÖRIGE &#8211; FACHPERSON</title>
		<link>https://zebra-bw.com/news/vorstellung-von-jzhelp-drinnen-draussen-angehoerige-fachperson/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Zebra-BW.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jun 2023 07:57:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge und News]]></category>
		<category><![CDATA[Aussteiger]]></category>
		<category><![CDATA[Gruppe]]></category>
		<category><![CDATA[JZ Help]]></category>
		<category><![CDATA[Selbsthilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Vorstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Zeugen Jehovas]]></category>
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					<description><![CDATA[In unserem Blog geben wir immer wieder auch Initiativen, Gruppierungen und Anlaufstellen die Gelegenheit sich vorzustellen und auf ihr Angebot aufmerksam zu machen. Heute stellt sich hier der Verein JZHelp vor. Der Verein JZ Help ist die erste Anlaufstelle für Fragen rund um die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas - für Ausstiegswillige, Ausgestiegene, Angehörige, Fachpersonen oder]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In unserem Blog geben wir immer wieder auch Initiativen, Gruppierungen und Anlaufstellen die Gelegenheit sich vorzustellen und auf ihr Angebot aufmerksam zu machen. Heute stellt sich hier der Verein JZHelp vor. Der <a href="https://jz.help/">Verein JZ Help</a> ist die erste Anlaufstelle für Fragen rund um die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas &#8211; für Ausstiegswillige, Ausgestiegene, Angehörige, Fachpersonen oder Journalist/innen.</p>
<ul>
<li><strong>Wir sind</strong> eine große Community aus ehemaligen Zeugen Jehovas, die aus der Fülle ihrer persönlichen Erfahrungen aufklären und beraten</li>
<li><strong>Wir kennen uns aus</strong> mit den Folgen von Ächtung und Ausgrenzung, psychischer Gewalt, Kindeswohl-Gefährdung, Rechtskomitee-Verhandlungen, der Zwei-Zeugen-Regel, Eingriffen in die Privatsphäre, Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen, Stigmatisierung von Bluttransfusionen und höherer Bildung, politischer und gesellschaftlicher Teilhabe&#8230; einfach all dem, womit Zeugen Jehovas konfrontiert sind</li>
<li><strong>Wir bieten</strong> Verständnis ohne lange Erklärungen: Beratung und Begleitung, Informationen (auch für Fachpersonen), Vernetzung und Vermittlung mit Selbsthilfegruppen, Jurist/innen, Psycholog/innen und verschiedenen anderen Anlaufstellen. Unsere Community bildet ein soziales Auffangnetz, das immer weiterwächst</li>
<li><strong>Wir klären auf</strong> über Grund- und Menschenrechtsverletzungen, berichten über aktuelle Entwicklungen und geben Betroffenen eine Stimme – auf unserer Website, auf sämtlichen Social-Media-Plattformen und in öffentlichen Medien</li>
<li><strong>Wir organisieren</strong> Kundgebungen, Infostände, Workshops, Fachtagungen und Vernetzungs-Treffen</li>
<li><strong>Wir sind für dich da, </strong>damit Du mit Deinen Fragen und Zweifeln nicht alleine bist, damit du Halt bekommst und neue Perspektiven kennen lernst.</li>
</ul>
<p>Sie finden uns auf <a href="https://jz.help/">https://jz.help/</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Aussteiger aus der Querdenker-Szene</title>
		<link>https://zebra-bw.com/news/aussteiger-aus-der-querdenker-szene/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Zebra-BW.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 Jul 2021 09:38:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge und News]]></category>
		<category><![CDATA[Aussteiger]]></category>
		<category><![CDATA[Querdenker]]></category>
		<category><![CDATA[Sekten]]></category>
		<category><![CDATA[Verschwörungstheorien]]></category>
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					<description><![CDATA[  von Sarah Pohl "Melden sich bei euch auch Aussteiger aus der Querdenkerszene?" werden wir immer mal wieder gefragt. Wir beraten bisher v. a. „sekundär Betroffenen“, (Neuberger, 2018) d.h. Angehörige, Freunde oder Arbeitskollegen von sog. Verschwörungsgläubigen. Auch in der Aussteigerberatung im Kontext sog. Sekten sind wir tätig. Bisher haben sich jedoch wenig Aussteiger aus der]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong></p>
<p>von Sarah Pohl</p>
<p>&#8222;Melden sich bei euch auch Aussteiger aus der Querdenkerszene?&#8220; werden wir immer mal wieder gefragt. Wir beraten bisher v. a. „sekundär Betroffenen“, (Neuberger, 2018) d.h. Angehörige, Freunde oder Arbeitskollegen von sog. Verschwörungsgläubigen. Auch in der Aussteigerberatung im Kontext sog. Sekten sind wir tätig. Bisher haben sich jedoch wenig Aussteiger aus der Querdenkerszene bei uns gemeldet. Warum ist das so? Wir haben uns auf Ursachenforschung begeben.</p>
<p>Zunächst begegnen uns manche  Verschwörungsgläubige skeptisch, da wir vom Kultusministerium BW gefördert und damit als staatliche Einrichtung wahrgenommen werden. (Unser wichtigster Grundsatz ist jedoch genau aufgrund dieser Förderung durch das Land die Achtung der Religions- und Meinungsfreiheit, d.h. solange keine anderen Rechte verletzt werden, positionieren wir uns weltanschaulich neutral.)</p>
<p>Der Aussteigerbegriff impliziert sektenartige, bzw., geschlossene Gruppenstrukturen. Die Gruppenstrukturen in der Querdenkerszene sind jedoch teils sehr lose, und die Milieus aus welchen sich diese Szene zusammensetzt sind durchmischt (Nachtwey, Frei, Schäfer, 2020). Es herrscht eine große soziale Vielfalt in der Querdenkerszene (Koos 2021; Nachtwey 2021). Zwar gibt es den „einenden Feind“ und ein „gemeinsames Ziel“ ansonsten jedoch bestehen viele ideologischen Unterschiede, wenig Alltagsverbindungen. Grande et. al. stellen fest: <em>„Der Corona-Protest ist nicht nur sozial heterogen, er ist auch politisch schwer zu verorten. Auffällig war von Beginn an, mit den ersten „Hygiene-Demonstrationen“, dass er quer zu den üblichen politischen Gegensätzen verlief und die Ablehnung der staatlichen Corona-Maßnahmen die Extreme des politischen Spektrums zusammenzuführen schien.“ </em>In sog. Sekten hingegen werden mehr Bereiche des alltäglichen Lebens vereinnahmt (Freizeit, Sport, Freunde, usw.) und meist gibt es auch hierarchischere Strukturen, die ideologische Gesinnung zeigt mehr Schnittfläche. Verschwörungstheoretiker kann man auch für sich alleine sein, ganz ohne Gruppe. Es ist deswegen zu differenzieren, welchen Einfluss gruppenpsychologische Aspekte auf einen sog. Verschwörungstheoretiker haben.</p>
<p>Ein weiterer wichtiger Punkt in der Abgrenzung zwischen sog. Sekten-Aussteigern und Aussteigern aus der Querdenkerszene besteht in dem Aspekt der Autonomie. Während Aussteiger aus sog. Sekten es meist gewohnt waren, sich in einer hierarchischen Gemeinschaft unterzuordnen, verbindet Menschen aus der Querdenkerszene v.a. ein wichtiger Grundwert: Der Wunsch nach mehr Freiheit und Autonomie.</p>
<p>Zwar lässt sich der Glaube an Verschwörungstheorien in mancherlei Hinsicht mit einem weltanschaulich geprägten Glauben vergleichen, beispielsweise bieten beide einfache Antworten auf komplexe Fragen und leisten so einen Beitrag zur psychischen Stabilisierung mancher Menschen, da Unvorhersehbarkeit scheinbar reduziert wird (Röther, 2020). Gerade bei QAnon sind diese religionsähnlichen Bezüge deutlich, hier existiert auch eine Heilsfigur, usw. Dennoch bestehen auch deutliche Unterschiede beispielsweise hinsichtlich der normativen Verbindlichkeiten welche von Religionen gestiftet wird oder hinsichtlich moralischer Grundsätze. Der Glaube eines Verschwörungstheoretikers ist stark dieseitsbezogen, wohingegen Aussteiger aus anderen Gruppierungen einen deutlicheren Jenseitsbezug und einen metaphysischen Bezug aufweisen. Eimuth (2020) stellt fest <em>„Was allerdings bei QAnon – bisher – noch fehlt, das sind Riten, die jede Religion zur Selbstvergewisserung braucht. Vielleicht übernehmen allerdings die Demonstrationen allmählich diese Funktion.“</em> Aus diesem Grund hat es eine andere Bedeutung, wenn Menschen aus der Querdenkerszene „aussteigen“. Sich aus einer anonymen Internetgruppierung zu lösen hat eine völlig andere Bedeutung, als sich von einer real existierenden Gruppierung, welche das gesamte soziale Leben prägt und beeinflusst abzukehren.</p>
<p>Wenn Menschen die Querdenker verlassen, geht es also nicht um einen Ausstieg im klassischen Sinne, sondern um einen schleichenden Prozess. Das mag irritieren, denn der Einstig in diese Gedankenwelt erfolgt häufig mit Pauken und Trompeten. Sich jedoch abzuwenden auch von verschwörungsnahen Überzeugungen bedeutet nicht unbedingt, die ganze Weltanschauung mit einmal zu verändern. Meinungen ändern sich meist schleichend und oft ist dies auch ein Prozess, der sich unserem Bewusstsein entzieht. Oft halten Menschen sehr lange und ausdauernd an Überzeugungen fest. Wie sagte schon Hebel: „Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben“. In einem Fall starb die Mutter eines Coronaleugners an Corona. Dies hat paradoxerweise nicht dazu geführt, dass sich dessen Meinung änderte, sondern den Betreffenden dazu veranlasst weitere Rechtfertigungskonstruktionen zu suchen, weshalb es Corona nicht geben kann. Dieses Phänomen nennt man in der Fachsprache auch Belief Perservance, was bedeutet, wider besseres Wissen an einer Überzeugung festzuhalten. Der betreffenden Person gelang es nicht, sich von der Leugnung des Viruses abzuwenden, sonst hätte sie sich womöglich unangenehmen Schuldfragen stellen müssen. Denn je höher die Investition eines Menschen in eine Idee oder Überzeugung ist, desto besser bewertet er diese auch. Es ist also nicht so einfach, Überzeugungen zu verändern.</p>
<p>Was sich meist zuerst verändert ist der berüchtigte Tunnelblick. Wenn Menschen wieder andere Perspektiven zulassen können und andere Meinungen aushalten, dann ist schon viel passiert. Denn die Problematik ist ja nicht die, dass der Querdenker eine andere Meinung vertritt, sondern wie er diese Meinung vertritt (das gleiche gilt übrigens auch für die Gegenseite). Problematisch ist überdies eher fehlende Toleranz und mangelnder Respekt und Augenhöhe. Unser Ziel ist es, dass beide Parteien aufeinander zugehen und sich selbst und ihr Konfliktverhalten reflektieren, bzw. Verantwortung dafür übernehmen. In diesem Sinne versuchen wir eine Position der Mitte zu stärken und jenseits von Polarisierung ein Ort der Begegnung zu schaffen, an dem konträre Meinungen existieren dürfen. Denn beide Parteien haben ihre Berechtigung.</p>
<p>Die Polarisierung, welche sich im Großen abbildet, vollzieht sich auch Kleinen: Es geht derzeit nicht nur ein Riss durch die Gesellschaft, sondern Fronten verhärten sich auch in Paarbeziehungen und Familien. Deswegen kann man auch im Kleinen anfangen, um gegen diese spaltenden gesellschaftlichen Tendenzen zu wirken.</p>
<p>Was hilft? Empathisches Zuhören, Augenhöhe, keine Verurteilungen und Wertschätzung sind gute Strategien. Was nicht hilft: den Anderen mit den besseren Argumenten überzeugen zu wollen, dies kann den berüchtigten Backfire-Effekt zur Folge haben- hinterher glaubt das Gegenüber nur noch stärker an seine Ideologie. Menschen, die sich gehört und verstanden fühlen gelingt es oft besser, nicht krampfhaft an der eigenen Meinung festzuhalten und sich auch mal selbst zu hinterfragen. Wir regen dazu an, viele Fragen zu stellen, ohne vorschnelle Antworten zu liefern, dem Gegenüber aktiv zuzuhören und zu versuchen zu verstehen, welche Bedürfnisse, vielleicht auch Ängste hinter dem Verschwörungsglauben stehen. Nicht immer ändert der andere seine Meinung dadurch, aber er beginnt zumindest sich selbst mehr zu hinterfragen, fühlt sich abgeholt und verstanden. „Willst Du Recht haben oder glücklich sein? Beides geht leider nicht…“ soll M. Rosenberg, der Begründer der gewaltfreien Kommunikation einst gesagt haben. Leider passiert in vielen Streitigkeiten genau das Gegenteil: Es geht um´s „Recht haben“ und Überzeugen um jeden Preis ist die Devise. Und der Preis ist hoch: Wenn wir Rosenbergs Zitat folgen, steht das Lebensglück auf dem Spiel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<ul>
<li>Nachtwey, O., Frei, N., &amp; Schäfer, R. (2020). Politische Soziologie der Corona-Proteste. doi: 10.31235/osf.io/zyp3f</li>
<li>Neuberger, s. (2018). Menschen auf der Suche. Beratung und Psychotherapie im Umfeld von sog. Sekten und weltanschaulichen Gemeinschaften vor dem Hintergrund systemischen Denkens.</li>
<li>Koos, S. (2021). Die „Querdenker “. Wer nimmt an Corona-Protesten teil und warum?: Ergebnisse einer Befragung während der „Corona-Proteste “am 4.10. 2020 in Konstanz. <a href="https://kops.uni-konstanz.de/bitstream/handle/123456789/52497/Koos_2-bnrddxo8opad0.pdf?sequence=1">https://kops.uni-konstanz.de/bitstream/handle/123456789/52497/Koos_2-bnrddxo8opad0.pdf?sequence=1</a></li>
<li>Grande, E., Hutter, S., Hunger, S., &amp; Kanol, E. (2021). Alles Covidioten? Politische Potenziale des Corona-Protests in Deutschland. WZB Discussion Paper ZZ 2021-601. <a href="https://bibliothek.wzb.eu/pdf/2021/zz21-601.pdf">https://bibliothek.wzb.eu/pdf/2021/zz21-601.pdf</a></li>
<li>Röther, C. (2020). Die Bewegung „QAnon“ wird zur Religion. <a href="https://www.deutschlandfunk.de/verschwoerungsmythen-die-bewegung-qanon-wird-zur-religion.886.de.html?dram:article_id=478337">https://www.deutschlandfunk.de/verschwoerungsmythen-die-bewegung-qanon-wird-zur-religion.886.de.html?dram:article_id=478337</a></li>
<li>Eimuth, K.-H. (2020). Verschwörungsglaube „QAnon“: Entsteht da eine neue Religion?</li>
</ul>
<p><a href="https://www.efo-magazin.de/magazin/gott-glauben/qanon/">https://www.efo-magazin.de/magazin/gott-glauben/qanon/</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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