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	<title>Radikalisierung &#8211; zebra-bw</title>
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	<title>Radikalisierung &#8211; zebra-bw</title>
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		<title>Rezension: Krieg gegen die Köpfe von Thilo Baum</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Zebra-BW.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jul 2026 06:42:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge und News]]></category>
		<category><![CDATA[Desinformation]]></category>
		<category><![CDATA[Fake News]]></category>
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					<description><![CDATA[Krieg, Zerstörung und Gehirnwäsche. Der Titel des 2026 von dem Redakteur und Speaker Thilo Baum veröffentlichten Werks zeichnet das alarmierende Bild eines Angriffs auf die Demokratie und adressiert auf seiner Rückseite alle, „die nicht länger zusehen wollen, wie unsere Gesellschaft zerstört wird“. Von Anfang an ist der Ton des Buchs schnörkellos, direkt und zielorientiert. So]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Krieg, Zerstörung und Gehirnwäsche. Der Titel des 2026 von dem Redakteur und Speaker Thilo Baum veröffentlichten Werks zeichnet das alarmierende Bild eines Angriffs auf die Demokratie und adressiert auf seiner Rückseite alle, „die nicht länger zusehen wollen, wie unsere Gesellschaft zerstört wird“. Von Anfang an ist der Ton des Buchs schnörkellos, direkt und zielorientiert. So ist auch die Zielgruppe von Baum realistisch abgesteckt. Für alle Menschen, die sich erreichen und zum Nachdenken anregen lassen, die unsere demokratischen Grundsätze schützen und die Informationskompetenz lernen und vermitteln wollen, soll Krieg gegen die Köpfe als Orientierungshilfe und Ressource dienen.</p>
<p>Bei dem Aufbau des Buchs hält sich Baum an seine Devise, dass sich konstruktive Gespräche nur führen lassen, wenn man sich auf gemeinsame Grundlagen einigen kann. Er fängt ganz am Anfang an: Was sind Wahrheit und Lüge, Meinungen oder Fakten? Wie treffen wir Entscheidungen und ordnen Informationen ein? Und was ist eigentlich mit unserem höchsten Gut, der Meinungsfreiheit? Auch eine Einführung in die Wissenschaft und den Prozess des Erkenntnisgewinns darf nicht fehlen. Für den Kern des Buchs zahlt sich dieser gründliche Aufbau eines soliden Fundaments aus. So lässt sich auch nachvollziehen, warum der Titel des Buchs letztlich keine Übertreibung ist. Baum schildert die programmatische Verwendung von Desinformationen als Waffe zur Unterwanderung der Demokratie und geht auf Prozesse der Radikalisierung ein.</p>
<p>Insgesamt ergibt sich aus dieser Struktur eine klar nachvollziehbare Argumentationslinie, gestützt von pragmatischen Definitionen und einer „alltagsphilosophischen“ Grundlage, der auch Laien problemlos folgen können. Der Inhalt wird stets mit hochaktuellen Ereignissen verknüpft, sei es der Fall Brosius-Gersdorf oder politische Entwicklungen in den USA. Andere Alltagsbezüge wie Homöopathie oder Verschwörungsmythen rund um Impfungen bewähren sich als Beispiele, die seit Jahren nicht an Brisanz verloren haben. Besonders effektiv erweist sich diese Methode, wenn es um den intentionalen Einsatz von Desinformation zur Untergrabung der Demokratie geht. Erst zitiert Baum im fünften Kapitel Aussagen Goebbels dazu, dass die Demokratie „ihren Todfeinden die Mittel selber stellte, durch die sie vernichtet wurde“, dann folgt das weniger eloquente Motto des ehemaligen Trump-Beraters Steve Bannon: „Flood the zone with shit“. Letzteres fordert zur absichtlichen Invasion der Öffentlichkeit mit Desinformationen auf. Was Baums Argumentation noch hätte unterstützen können, wäre ein Blick auf die heutigen Werkzeuge der Desinformation. Algorithmen auf sozialen Mediennetzwerken, KI-generierte Bilder und Videos oder Bots beschleunigen die Verbreitung von Desinformationen und Verschwörungserzählungen und überfluten den digitalen Austausch ganz nach dem Motto Bannons.</p>
<p>So eröffnet und verknüpft Baum ein Thema nach dem anderen; mal inhaltlich vereinfacht, aber stets alltagsnah und zugänglich. Dabei gelingt ihm der Balanceakt, komplexe Inhalte mit einem engagierenden, leicht verständlichen Schreibstil darzustellen. Zitate von Arendt, Kant und Popper werden oft sowohl im Originaltext wiedergegeben als auch vereinfacht und modernisiert „übersetzt“. Definitionen von Fachbegriffen sind pragmatisch und funktionell; die Kapitel kurz und kompakt. Es ist klar, dass Krieg gegen die Köpfe etwas Wichtiges kommunizieren will, und zwar dringend. Dadurch wirkt das Werk ab und zu etwas ungeschliffen, trifft aber immer wieder zielgenau den Punkt und ist sich unmissverständlich sicher in seiner ambitionierten Aufgabe, die Demokratie zu stärken und zu schützen.</p>
<p>An diejenigen, die diese Prämisse nicht teilen, verschwendet Baum auch keine Überzeugungskraft. Damit schreckt das Buch nicht vor einer Realität zurück, in der sich Gesellschaften spalten, Radikalisierte oft nicht mehr zu erreichen sind und fast jede:r eine Person kennt, mit der eine konstruktive Diskussion nicht mehr möglich ist. Dass diese unwahrscheinlichen Leser:innen von vorneherein abgeschrieben werden, schlägt sich allerdings auch in der Sprache nieder. „Manche sind auch nicht in der Lage einer Gedankenführung zu folgen“, schreibt Baum, „sie werden wir möglicherweise nicht erreichen“ (75). Mit Aussagen wie der, dass hier ein „Krieg der Einfalt und der Dummheit gegen Klugheit“ geführt werde und „nützliche Idioten […] sich haben radikalisieren lassen und mangels Informationskompetenz Blödsinn nachplappern“ (132), ist das auch zu bezweifeln. Die kleinen Seitenhiebe wirken auf den ersten Blick harmlos und genugtuend, überschreiten jedoch eine Grenze, wenn angenommen wird, dass sich Menschen radikalisieren lassen und belogen werden wollen (36). Erst zum Ende des Buchs wird den „Opfern der Demagogie“ ein wenig Verständnis entgegengebracht, wenn Motive, Ursachen und Denkfehler erläutert werden (163f.). Gerade weil sich Baum an die noch Erreichbaren richtet, wäre ein Hinweis dazu angebracht, dass nicht vorrangig sachliche Argumente und treffende Denkübungen überzeugen, sondern persönliche Bindungen und Erlebnisse. Oft sind diese für die Betroffenen die letzte Brücke zur realen Welt, die, wenn möglich, offengehalten werden sollte.</p>
<p>Baums neuestes Werk nimmt also kein Blatt vor den Mund und verfolgt zielstrebig eine klare Mission: Informationskompetenz vermitteln und demokratische Grundsätze stärken. Zu diesem Zweck erläutert es grundlegende Schlüsselkonzepte, klärt über Denkfehler, Manipulationstaktiken, unsachliche Diskussionsstrategien und das Vokabular der „alternativen Medien“ auf und liefert die ein oder andere interessante Denkaufgabe. Das Gesamtpaket überzeugt mit seinem Durchblick, seiner unbeschönigten Auseinandersetzung mit unserer verworrenen, reizüberfluteten Gegenwart und durch die schiere Notwendigkeit der vermittelten Tipps und Fähigkeiten. Es ist ein Buch, das geschrieben werden musste, und eine essenzielle Ressource in einer postfaktischen Zeit.</p>
<p style="text-align: right;">Von Nastja Teichrib</p>
<blockquote><p>Literatur:</p></blockquote>
<p>Baum, Thilo (2026): Krieg gegen die Köpfe. Wie Desinformation die Demokratie zerstört und wie wir die Gehirnwäsche aufhalten, Langenfeld: Relevanz.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchankündigungen</title>
		<link>https://zebra-bw.com/news/buchankuendigungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Zebra-BW.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Feb 2025 10:54:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge und News]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Publikationen]]></category>
		<category><![CDATA[Radikalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Senioren]]></category>
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		<category><![CDATA[Verschwörungstheorien]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir freuen uns, Sie in diesem Jahr gleich auf mehrere Veröffentlichungen und Neuerscheinungen von uns aufmerksam machen zu dürfen. Druckfrisch auf dem Markt ist das Buch „Wenn sie wüssten wie ich wirklich bin, herausgegeben von Sigle und Schmidtbauer. Hier findet sich einen spannende Falldarstellung über den Umgang mit Flüchen von Sarah Pohl. Diese Geschichte wurde]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wir freuen uns, Sie in diesem Jahr gleich auf mehrere Veröffentlichungen und Neuerscheinungen von uns aufmerksam machen zu dürfen.</p>
<p>Druckfrisch auf dem Markt ist das <a href="https://www.beltz.de/sachbuch_ratgeber/produkte/details/55184-wenn-sie-wuessten-wie-ich-wirklich-bin.html">Buch</a> „Wenn sie wüssten wie ich wirklich bin, herausgegeben von Sigle und Schmidtbauer. Hier findet sich einen spannende Falldarstellung über den Umgang mit Flüchen von Sarah Pohl. Diese Geschichte wurde vor einigen Jahren bereits in der Zeitschrift Psychologie Heute veröffentlicht.</p>
<ul>
<li>Pohl, S. (2025). Verflucht. In: Siegle/Schmidtbauer: Wenn Sie wüssten, wie ich wirklich bin« Therapeuten erzählen aus ihrer Praxis – 50 Geschichten. Beltz.</li>
</ul>
<p>Außerdem möchten wir Sie darauf hinweisen, dass im März eine weitere spannende <a href="https://www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com/detail/index/sArticle/59601">Veröffentlichung</a> von uns erscheinen wird, mit dem Titel: Abgetaucht, radikalisiert, verloren? Die Generation 50+ im Sog der Filterblasen. Worum geht es? Früher wandten sich betroffene Eltern wegen ihrer radikalisierten Jugendlichen an Beratungsstellen. Seit einigen Jahren scheint sich dies umgekehrt zu haben: Immer öfter suchen junge Menschen wegen ihrer radikalisierten Eltern Hilfe. Menschen der Generation 50plus teilen häufiger Fake News als junge Menschen, sind anfälliger für Verschwörungsideologien und scheinen häufiger in Filterblasen abzutauchen. Woran liegt das? Und wie kann mit diesem neuen Phänomen der radikalisierten Senioren und Seniorinnen umgegangen werden? Neben einem Streifzug durch die Studienlage zu Medienkompetenz und Radikalisierung im Alter beleuchten die Autorinnen individuelle Fallgeschichten und leiten daraus Lösungsideen ab. Es zeigt sich, dass eine Sensibilisierung für die Vulnerabilität in dieser Generation dringlich und von hoher politischer Relevanz ist: Nur so lassen sich Wege finden, der Spaltung innerhalb von Familien und innerhalb der Gesellschaft entgegenzuwirken.</p>
<ul>
<li>Pohl, S./ Wiedemann, M. (2025). Abgetaucht, radikalisiert, verloren? Die Generation 50+ im Sog der Filterblasen. V&amp;R Verlag.</li>
</ul>
<p>Und zuletzt wird im Frühsommer dieses Jahres ein weiteres<a href="https://www.verlagruhr.de/Verschwoerungstheorien-erkennen-Fake-News-aufdecken-Stellung-beziehen/9783834668080"> Buch</a> von uns erscheinen, mit dem Titel: Verschwörungstheorien erkennen, Fake News aufdecken, Stellung beziehen. Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufe. Produktinformationen Verschwörungstheorien erkennen, Fake News aufdecken, Stellung beziehen.</p>
<p>In diesem Unterrichtsmaterial zu Fake News und Verschwörungstheorien finden Sie Kopiervorlagen und Methoden, mit deren Hilfe Sie den Jugendlichen vermitteln können, wie sie <strong>Fake News erkennen</strong> und dahinterstehende <strong>Strategien und Mechanismen enttarnen</strong> können.<br />
<strong>Spielerische und kreative Zugänge</strong> ermöglichen eine sachliche Auseinandersetzung mit den oft emotional aufgeladenen Themen. Die <strong>fächerunabhängig</strong> einsetzbaren Unterrichtsvorschläge</p>
<ul>
<li>umfassen neben den Bereichen Verschwörungstheorien und Fake News auch Medienkompetenz und konstruktive Streitkultur,</li>
<li>lassen sich variabel in den Unterricht einbinden – als kurze Übung, Unterrichtseinheit oder Projekt, in Deutsch, Fachunterricht oder Klassenleitungsstunde,</li>
<li>sind ohne viel Vorbereitung <strong>direkt einsetzbar</strong> und enthalten die notwendigen Kopiervorlagen.</li>
</ul>
<p>Die Schüler und Schülerinnen reflektieren, woran Fake News erkennbar sind, wer ein Interesse an Verschwörungstheorien hat, wie sie verlässliche Infos finden, wie sie auf Hasskommentare in Social Media reagieren können und wie sie ihre Meinung fair vertreten. Hintergrundwissen für Lehrkräfte zu allen Themen, Anregungen zur Elternarbeit und zur Selbstreflexion runden diesen <strong>umfassenden Materialpool</strong> ab.</p>
<ul>
<li>Gröber, Heizmann, Pohl (2025). Verschwörungstheorien erkennen, Fake News aufdecken, Stellung beziehen. Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufe. Verlag an der Ruhr.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Reichsbürger: Eine Gefahr für die Gesellschaft?</title>
		<link>https://zebra-bw.com/news/reichsbuerger-eine-gefahr-fuer-die-gesellschaft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Zebra-BW.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Sep 2024 06:30:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge und News]]></category>
		<category><![CDATA[Gefahr]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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		<category><![CDATA[Verschwörungstheorien]]></category>
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					<description><![CDATA[Spätestens nach dem Scheitern der Pläne rund um die Entführung Karl Lauterbachs und dem Plan, das politische System der Bundesrepublik Deutschland zu stützen, stehen Reichsbürger im Fokus der Öffentlichkeit. Auch wenn ihre politischen Ansichten teilweise vielleicht skurril anmuten, ist das Gefährdungspotenzial durch die Szene nicht zu unterschätzen. Auch deshalb wird die Reichsbürgerszene seit 2016 gesondert]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Spätestens nach dem Scheitern der Pläne rund um die Entführung Karl Lauterbachs und dem Plan, das politische System der Bundesrepublik Deutschland zu stützen, stehen Reichsbürger im Fokus der Öffentlichkeit. Auch wenn ihre politischen Ansichten teilweise vielleicht skurril anmuten, ist das Gefährdungspotenzial durch die Szene nicht zu unterschätzen. Auch deshalb wird die Reichsbürgerszene seit 2016 gesondert neben Feldern wie Rechts- und Linksextremismus durch den Verfassungsschutz beobachtet. (vgl. Rathje 2019, S. 159)</p>
<h2>Die Reichsbürger – Eine heterogene Szene</h2>
<p>Unterstrichen werden muss, dass es den typischen Reichsbürger nicht gibt. Die Reichsbürgerszene wird durch ein hohes Maß an Heterogenität gekennzeichnet. Die Szene ist tendenziell männlich geprägt, von den ca. 25.000 Szeneangehörigen waren 2023 43% weiblich (vgl. Verfassungsschutzbericht 2023, S. 133). Die Mitglieder waren 2020 durchschnittlich zwischen 40 und 60 Jahre alt (vgl. Pöhlmann 2021, S. 184). Auch wenn sich die Szene in einem Verjüngungsprozess befindet, ist das höhere Alter bemerkenswert, da Radikalisierung in Deutschland zumeist als ein Jugendphänomen bezeichnet wird (vgl. Fiebig, Köhler 2019, S. 28).</p>
<p>Die Szene selbst hat keinen hohen Organisationsgrad. Nach Keil kann man Reichsbürger grob in vier Gruppen aufteilen, wobei sich ein Reichsbürger auch durchaus mehreren Gruppen zuordnen kann. So spricht Keil zunächst von den klassisch nationalistischen Reichsbürgern. Diese orientieren sich, selbst im Vergleich zu anderen Reichsbürgern, im ideologischen Spektrum verstärkt an rechten Positionen. In der zweiten Gruppe, die Selbstverwalter, dominiert nach Keil ein Interesse an Bereicherung. Sie sehen die BRD als eine Firma an, aus der sie austreten können, weshalb sie dann eine Steuern etc. mehr zahlen müssten (vgl. Keil 2017, S. 54f.). Allgemein gibt es Hinweise darauf, dass finanzielle Probleme bei der Hinwendung zum Reichsbürgertum eine Bedeutung haben (vgl. Fiebig, Köhler 2019, S. 21). Als dritte Gruppe benennt Keil selbsternannte Stifter oder Herrscher über vermeintliche Herrschaftsgebiete. Hier bestehe eine besonders enge Verknüpfung zu esoterischem Gedankengut. Abschließend beschreibt Keil auch die Gruppe derjenigen, die wirtschaftlich, beispielsweise durch den Verkauf von „Reichsbürger-Merch“ von der Szene profitieren und bei denen unklar ist, inwieweit sie die Positionen der Szene teilen (vgl. Keil 2017, S. 54f.). Der Verfassungsschutz spricht von dem Phänomenbereich „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“, verweist aber auch darauf, dass diese beiden Gruppen teils schwer voneinander abzugrenzen sind (vgl. Verfassungsschutzbericht 2023, S. 132).</p>
<h2>Ideologische Grundpfeiler</h2>
<p>Was die Szene vereint, ist die Ansicht, dass es sich bei der Bundesrepublik Deutschland nicht um einen legitimen Staat handelt. Diese Annahme steht im Kern ihrer ideologischen Vorstellungen. Weitergehende ideologische Elemente übernehmen sie aus dem rechten Spektrum. Verbunden wird die rechtsextreme Szene in Deutschland und die Reichsbürgerszene beispielsweise durch die weite Verbreitung antisemitischer Verschwörungserzählungen und eine revisionistische Haltung. Da ein weiter Teil der Reichsbürger der Auffassung ist, dass entweder die Verfassung von 1871 oder von 1937 noch Gültigkeit habe, unterstellen sie, dass sich das deutsche Staatsgebiet auch weit über seine heutigen Grenzen erstrecken würde. So würden unter anderem Elsass-Lothringen und große Teile Polens zum deutschen Herrschaftsbereich gehören. Derartige Vorstellungen sind auch innerhalb der rechtsextremen Szene verbreitet. Trotz dieser ideologisch rechten Orientierung sind die Reichsbürger von rechtsextremen Akteuren abzugrenzen, personelle Überschneidungen zwischen beiden Gruppen sind eher selten. Weitere für das eigene Weltbild bedeutende Vorstellungselemente werden aus dem esoterischen Bereich und aus Verschwörungserzählungen entnommen. Der Übergang ist an dieser Stelle zumeist fließend. (vgl. Pöhlmann 2021, S. 183-186)</p>
<p>Beachtet werden muss, dass sich einzelne Aspekte innerhalb des Weltbilds der Reichsbürger durchaus auch widersprechen können. So werden beispielsweise Entscheidungen des Bundesverfassungsgereichts uminterpretiert, um die Behauptung zu stärken, die Bundesrepublik sei keine legitime Herrschaftsorganisation, während gleichzeitig die Institution „Verfassungsgericht“ gar nicht als legitim angesehen wird, da sie Teil des Herrschaftsapparats der Bundesrepublik ist. (vgl. Caspar, Neubauer 2017, S. 134)</p>
<h2>Gefahrenpotenzial</h2>
<p>Bei der Einschätzung, inwieweit von Reichsbürgern Gefahren für einzelne Personen oder die Gesellschaft ausgehen, ist wichtig zu beachten, dass in der Szene eine große Affinität zu Waffen besteht. Reichsbürger selbst dürfen jedoch keine Waffe besitzen, da die Gefahr besteht, dass diese zum Widerstand gegen die Staatsgewalt eingesetzt werden (vgl. Verfassungsschutzbericht 2023, S. 140f.). Gewalt wird durch die Reichsbürger auch primär gegen Mitarbeitende des Staats ausgeführt. Die Straftaten reichen von dem Missbrauch von Amtsbezeichnungen und Dienstbezeichnungen hin bis zu versuchtem Mord. Häufiger auftretende Vergehen sind zudem Urkundenfälschung, Fahren ohne die nötige Fahrerlaubnis und Verstöße gegen das Personalausweisgesetz (vgl. Neuwald 2023, S. 68ff.). Häufiger treten daneben aber auch (versuchte) Erpressungen und Nötigungen auf, in der Regel als Reaktion auf amtliche Schreiben (vgl. Fiebig, Köhler 2019, S. 19).</p>
<p>Die Gewalt gegen für den Staat arbeitende Personen und die Nichtbefolgung der Gesetze wird dadurch gerechtfertigt, dass der Staat nicht zu herrschen berechtigt sei, dass er seine Macht illegalerweise ausüben würde. Laut Verfassungsschutz befürworten 10 % der Szenemitglieder Gewalt oder wenden diese auch an (vgl. Verfassungsschutzbericht 2023, S. 133). Beachtet werden muss aber, dass sich gewalttätige und nicht-gewalttätige Szenemitglieder hinsichtlich ihrer sozialen und biographischen Eigenschaften wenig unterscheiden. Daraus folgt, dass nur unzureichend Prognosen darüber getroffen werden können, welche Szeneangehörige Gewalt anwenden könnten (vgl. Fiebig, Köhler 2019, S. 7).</p>
<h2>Erkennen von Reichsbürgern und Gedankengut aus der Reichsbürgerszene</h2>
<p>Direkt physisch erkennbar ist eine Affinität mit, beziehungsweise eine Zugehörigkeit zu der Reichsbürgerszene durch Fantasiedokumente. Anstatt eines Personalausweises, der einen der Vorstellung der Reichsbürger nach als Personal der vermeintlichen BRD GmbH ausweisen würde, wird ein „Personenausweis“ erstellt. Ein weiteres Beispiel für ein verbreitetes Fantasiedokument sind selbst erstellte Führerscheine. Teils werden auch Veränderungen an dem Kennzeichen vorgenommen, so bringt man beispielsweise die Farben rot und schwarz an, um einen Bezug auf das Deutsche Kaiserreich herzustellen (vgl. Ministerium für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt 2021, S. 9, 27). Reichsbürger selbst machen auch im Rahmen des Kontaktes mit staatlichen Institutionen auf sich aufmerksam. Charakteristisch für die Szene ist das Versenden von langen Schreiben, in denen man sich auf vermeintlich gültige Rechtsvorschriften oder Ähnliches bezieht, mit denen man zu begründen versucht, weshalb man staatlichen Anforderungen, wie Steuerzahlungen, nicht nachkommen müsse (vgl. Keil 2017, S. 59). Diese Hinweise auf die persönliche Gesinnung sind recht offensichtlich. Subtiler sind die Verweise innerhalb eines Gesprächs auf Reichsbürgerthemen. Reichsbürger sprechen zum Beispiel davon, die Menschenrechte umsetzen zu wollen und beziehen sich häufiger auf die Vereinten Nationen. Ein genaues Hinhören kann sich empfehlen, wenn das Gegenüber im Rahmen des Gesprächs häufig und meist ausführlich bestimmte Rechtsvorschriften oder Verfassungsgerichtsurteile verweist und die eigene Souveränität überbetont (vgl. Ministerium für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt 2021, S. 21-16).</p>
<h2>Was tun:</h2>
<ul>
<li>Informieren Sie den jeweils für Ihr Bundesland zuständigen Verfassungsschutz, falls Sie Kenntnis über den Waffenbesitz einer Person in ihrem Umfeld haben, die Reichsbürgerideen teilt</li>
<li>Inhaltliche Diskussionen mit Reichsbürgern sind nicht zielführend. Falls inhaltliche Fragen bei Ihnen aufkommen, ziehen Sie beispielsweise die im Literaturverzeichnis genannte Broschüre des Landes Sachsen heran. Dort werden gängige Argumente vorgestellt und entkräftet</li>
<li>Sollten Aussagen, wie beispielsweise die Leugnung des Holocaust, die rechtlichen Grenzen der Meinungsfreiheit überschreiten, können Sie diese zur Anzeige bringen</li>
<li>Sollten Sie Fragen, Probleme und Sorgen im Umgang mit Reichsbürgern in Ihrem Umfeld haben, wenden Sie sich an eine professionelle Beratungsstelle, beispielsweise ZEBRA-BW, veritas oder sektenInfo NRW.</li>
</ul>
<blockquote><p>Literaturverzeichnis</p></blockquote>
<p>Bundesministerium des Inneren und für Heimat: Verfassungsschutzbericht 2023, 2024, https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/publikationen/DE/verfassungsschutzberichte/2024-06-18-verfassungsschutzbericht-2023.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=172024, abgerufen am 24.09.2024.</p>
<p>Caspar, Christa/Neubauer, Reinhard: Durchs wilde Absurdistan. Was zu tun ist, wenn „Reichsbürger“ und öffentliche Verwaltung aufeinandertreffen. In: Wilking, Dirk (Hrsg.): „Reichsbürger“. Ein Handbuch, Demos-Brandenburgisches Institut für Gemeinwesenberatung, 3. Aufl., Potsdam 2021, S. 119-207, abrufbar unter: <a href="https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/25143">https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/25143</a>.</p>
<p>Fiebig, Verena/Köhler, Daniel: Taten, Täter, Opfer. Eine Studie der Reichsbürgerbewegung auf Grundlage einer Presseauswertung, 2019, https://www.konex-bw.de/wp-content/uploads/2019/10/RZ_konex_ReichsbuergerBroschuere_web.pdf, abgerufen am 24.09.2024.</p>
<p>Keil, Jan-Gerrit: Zwischen Wahn und Rollenspiel – das Phänomen der „Reichsbürger“ aus psychologischer Sicht. In: Wilking, Dirk (Hrsg.): „Reichsbürger“. Ein Handbuch, Demos-Brandenburgisches Institut für Gemeinwesenberatung, 3. Aufl., Potsdam 2021, S. 54-118, abrufbar unter: https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/25143.</p>
<p>Ministerium für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt: „Reichsbürger“, „Reichsregierungen“ und „Selbstverwalter“. Informationen und Handlungsempfehlungen zur „Reichsbürgerszene“, 2021, <a href="https://mi.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MI/MI/3._Themen/Verfassungsschutz/Reichsb_Selbstverw_Neuauflage.pdf">https://mi.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MI/MI/3._Themen/Verfassungsschutz/Reichsb_Selbstverw_Neuauflage.pdf</a>, abgerufen am 23.09.2024.</p>
<p>Neuwald, Nils: Reichsbürger und Selbstverwalter. Rechtliche Maßnahmen und kriminalstrategische Handlungsoptionen im Rahmen alltäglicher Kontrollsituationen. In: Kriminalistik, Bd. 77 (2), 2023, S. 67-71.</p>
<p>Pöhlmann, Matthias: Rechte Esoterik. Wenn sich alternatives Denken und Extremismus gefährlich vermischen, Herder, Freiburg/Basel/Wien 2021.</p>
<p>Rathje, Jan: Eine neue rechtsterroristische Bedrohung? Souveränismus von „Reichsbürgern“ und anderen in Deutschland. In: Quent, Matthias/ Salzborn, Samuel/Salheiser, Axel (Hrsg.): Wissen schafft Demokratie. Schwerpunkt: Rechtsextremismus. Amadeo Antonio Stiftung, Berlin 2019, S. 158-167, abrufbar unter: <a href="https://www.idz-jena.de/fileadmin/user_upload/PDFS_WsD6/WEB_Idz_WsD_06.pdf">https://www.idz-jena.de/fileadmin/user_upload/PDFS_WsD6/WEB_Idz_WsD_06.pdf</a>.</p>
<h2>Literaturempfehlungen: Reichsbürgerfamilien und der Umgang mit diesen</h2>
<p>Becker, Kim Lisa/Meilicke, Tobias (2022): Das Kindeswohl im Kontext von Verschwörungserzählungen. In: KiTa aktuell Recht (3), 2022, S. 25-29.</p>
<p>Gollan, Anja: Aufwachsen mit Verschwörungserzählungen und Staatsablehnung. Kinderschutz im Kontext des „Reichsbürger-“, „Selbstverwalter-“ und „Delegitimierermilieus“. In: Zeitschrift für Religion und Weltanschauung, Bd. 87 (4), 2021, S. 255-275.</p>
<p>Gollan, Anja/ Riede, Sabine/Schlang, Stefan: Glaubensfreiheit versus Kindeswohl. Familienrechtliche Konflikte im Kontext religiöser und weltanschaulicher Gemeinschaften, Drei-W-Verlag, Köln 2018.</p>
<p>Pohl, Sarah/Wiedemann, Mirijam: Zwischen den Welten: Filterblasenkinder verstehen und unterstützen, Vandenhoeck &amp; Ruprecht, Göttingen 2023.</p>
<p>Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Katharina Schulze, Cemal Bozoğlu, Anna Schwamberger BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 28.10.2021. Betrieb von illegalen Schulen und Lerngruppen aus dem Umfeld der Querdenken-Bewegung oder des Reichsbürgermilieus (Drucksache 18/19708), <a href="https://www.bayern.landtag.de/www/ElanTextAblage_WP18/Drucksachen/Schriftliche%20Anfragen/18_0019708.pdf">https://www.bayern.landtag.de/www/ElanTextAblage_WP18/Drucksachen/Schriftliche%20Anfragen/18_0019708.pdf</a>, abgerufen am: 24.09.2024.</p>
<p style="text-align: right;">von A. Strohmeier</p>
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