Krieg, Zerstörung und Gehirnwäsche. Der Titel des 2026 von dem Redakteur und Speaker Thilo Baum veröffentlichten Werks zeichnet das alarmierende Bild eines Angriffs auf die Demokratie und adressiert auf seiner Rückseite alle, „die nicht länger zusehen wollen, wie unsere Gesellschaft zerstört wird“. Von Anfang an ist der Ton des Buchs schnörkellos, direkt und zielorientiert. So ist auch die Zielgruppe von Baum realistisch abgesteckt. Für alle Menschen, die sich erreichen und zum Nachdenken anregen lassen, die unsere demokratischen Grundsätze schützen und die Informationskompetenz lernen und vermitteln wollen, soll Krieg gegen die Köpfe als Orientierungshilfe und Ressource dienen.

Bei dem Aufbau des Buchs hält sich Baum an seine Devise, dass sich konstruktive Gespräche nur führen lassen, wenn man sich auf gemeinsame Grundlagen einigen kann. Er fängt ganz am Anfang an: Was sind Wahrheit und Lüge, Meinungen oder Fakten? Wie treffen wir Entscheidungen und ordnen Informationen ein? Und was ist eigentlich mit unserem höchsten Gut, der Meinungsfreiheit? Auch eine Einführung in die Wissenschaft und den Prozess des Erkenntnisgewinns darf nicht fehlen. Für den Kern des Buchs zahlt sich dieser gründliche Aufbau eines soliden Fundaments aus. So lässt sich auch nachvollziehen, warum der Titel des Buchs letztlich keine Übertreibung ist. Baum schildert die programmatische Verwendung von Desinformationen als Waffe zur Unterwanderung der Demokratie und geht auf Prozesse der Radikalisierung ein.

Insgesamt ergibt sich aus dieser Struktur eine klar nachvollziehbare Argumentationslinie, gestützt von pragmatischen Definitionen und einer „alltagsphilosophischen“ Grundlage, der auch Laien problemlos folgen können. Der Inhalt wird stets mit hochaktuellen Ereignissen verknüpft, sei es der Fall Brosius-Gersdorf oder politische Entwicklungen in den USA. Andere Alltagsbezüge wie Homöopathie oder Verschwörungsmythen rund um Impfungen bewähren sich als Beispiele, die seit Jahren nicht an Brisanz verloren haben. Besonders effektiv erweist sich diese Methode, wenn es um den intentionalen Einsatz von Desinformation zur Untergrabung der Demokratie geht. Erst zitiert Baum im fünften Kapitel Aussagen Goebbels dazu, dass die Demokratie „ihren Todfeinden die Mittel selber stellte, durch die sie vernichtet wurde“, dann folgt das weniger eloquente Motto des ehemaligen Trump-Beraters Steve Bannon: „Flood the zone with shit“. Letzteres fordert zur absichtlichen Invasion der Öffentlichkeit mit Desinformationen auf. Was Baums Argumentation noch hätte unterstützen können, wäre ein Blick auf die heutigen Werkzeuge der Desinformation. Algorithmen auf sozialen Mediennetzwerken, KI-generierte Bilder und Videos oder Bots beschleunigen die Verbreitung von Desinformationen und Verschwörungserzählungen und überfluten den digitalen Austausch ganz nach dem Motto Bannons.

So eröffnet und verknüpft Baum ein Thema nach dem anderen; mal inhaltlich vereinfacht, aber stets alltagsnah und zugänglich. Dabei gelingt ihm der Balanceakt, komplexe Inhalte mit einem engagierenden, leicht verständlichen Schreibstil darzustellen. Zitate von Arendt, Kant und Popper werden oft sowohl im Originaltext wiedergegeben als auch vereinfacht und modernisiert „übersetzt“. Definitionen von Fachbegriffen sind pragmatisch und funktionell; die Kapitel kurz und kompakt. Es ist klar, dass Krieg gegen die Köpfe etwas Wichtiges kommunizieren will, und zwar dringend. Dadurch wirkt das Werk ab und zu etwas ungeschliffen, trifft aber immer wieder zielgenau den Punkt und ist sich unmissverständlich sicher in seiner ambitionierten Aufgabe, die Demokratie zu stärken und zu schützen.

An diejenigen, die diese Prämisse nicht teilen, verschwendet Baum auch keine Überzeugungskraft. Damit schreckt das Buch nicht vor einer Realität zurück, in der sich Gesellschaften spalten, Radikalisierte oft nicht mehr zu erreichen sind und fast jede:r eine Person kennt, mit der eine konstruktive Diskussion nicht mehr möglich ist. Dass diese unwahrscheinlichen Leser:innen von vorneherein abgeschrieben werden, schlägt sich allerdings auch in der Sprache nieder. „Manche sind auch nicht in der Lage einer Gedankenführung zu folgen“, schreibt Baum, „sie werden wir möglicherweise nicht erreichen“ (75). Mit Aussagen wie der, dass hier ein „Krieg der Einfalt und der Dummheit gegen Klugheit“ geführt werde und „nützliche Idioten […] sich haben radikalisieren lassen und mangels Informationskompetenz Blödsinn nachplappern“ (132), ist das auch zu bezweifeln. Die kleinen Seitenhiebe wirken auf den ersten Blick harmlos und genugtuend, überschreiten jedoch eine Grenze, wenn angenommen wird, dass sich Menschen radikalisieren lassen und belogen werden wollen (36). Erst zum Ende des Buchs wird den „Opfern der Demagogie“ ein wenig Verständnis entgegengebracht, wenn Motive, Ursachen und Denkfehler erläutert werden (163f.). Gerade weil sich Baum an die noch Erreichbaren richtet, wäre ein Hinweis dazu angebracht, dass nicht vorrangig sachliche Argumente und treffende Denkübungen überzeugen, sondern persönliche Bindungen und Erlebnisse. Oft sind diese für die Betroffenen die letzte Brücke zur realen Welt, die, wenn möglich, offengehalten werden sollte.

Baums neuestes Werk nimmt also kein Blatt vor den Mund und verfolgt zielstrebig eine klare Mission: Informationskompetenz vermitteln und demokratische Grundsätze stärken. Zu diesem Zweck erläutert es grundlegende Schlüsselkonzepte, klärt über Denkfehler, Manipulationstaktiken, unsachliche Diskussionsstrategien und das Vokabular der „alternativen Medien“ auf und liefert die ein oder andere interessante Denkaufgabe. Das Gesamtpaket überzeugt mit seinem Durchblick, seiner unbeschönigten Auseinandersetzung mit unserer verworrenen, reizüberfluteten Gegenwart und durch die schiere Notwendigkeit der vermittelten Tipps und Fähigkeiten. Es ist ein Buch, das geschrieben werden musste, und eine essenzielle Ressource in einer postfaktischen Zeit.

Von Nastja Teichrib

Literatur:

Baum, Thilo (2026): Krieg gegen die Köpfe. Wie Desinformation die Demokratie zerstört und wie wir die Gehirnwäsche aufhalten, Langenfeld: Relevanz.